29. und 30. Oktober 2026
Konferenz „Zusammengehörigkeit – Christen im Mittleren Osten als Mitgestalter der Zukunft“
Auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) nahm als Vertreter der DJG Andreas Stechbart an einer zweitägigen Konferenz in Amman teil. Sie wurde verantwortet von „The Catholic Center for Studies and Media, Amman“ und dem Jordanischen Büro der KAS andererseits und stand unter der Patronage von Premierminister Dr. Jafar Hassan.
„Der Mittlere Osten befindet sich in einem tiefgreifenden politischen, sozialen, wirtschaftlichen und demografischen Wandel. Anhaltende Konflikte, interne Reformen, wirtschaftliche Herausforderungen, Migration und rasche geopolitische Veränderungen haben die Region umgestaltet und grundlegende Fragen zur Zukunft ihrer Gesellschaften aufgeworfen. In diesem Kontext bleibt die christliche Präsenz im Nahen Osten ein wesentlicher Bestandteil der regionalen Identität, des kulturellen Erbes und des sozialen Gefüges. Seit Jahrhunderten leisten Christen einen Beitrag zu Bildung, Gesundheitswesen, sozialer Entwicklung, Dialog, öffentlicher Verwaltung und der Förderung von Frieden und Koexistenz… Welche Rolle können Christen bei der Gestaltung der Zukunft spielen?“
Aufgrund der aktuellen Situation – der terroristische Überfall auf eine orthodoxe Kirche nahe Karak, bei dem neun Menschen getötet und viele verletzt wurden – nahmen alle Rednerinnen und Redner ihr Beileid bekundend auf dies Ereignis Bezug. Es wurde aber auch deutlich von allen kommuniziert, dass die überwältigende Reaktion auch der Muslime des Landes zeigt, dass Jordanien in einer sehr langen Tradition des Zusammenlebens, nicht nur der „Koexistenz“ steht.
Der erste Konferenztag war geprägt von grundsätzlichen Betrachtungen zur Frage inwieweit die christlichen Kirchen gemeinsam, mit einer Stimme sprechend, als Gestalter der Zukunft wirken könnten. Mit Vertreterinnen und Vertretern aus dem Irak, dem Libanon, Syrien, Palästina und natürlich Jordanien wurde auch die Frage beleuchtet, wie eine multinationale Diasporasituation als eine Brücke zu einer transnationalen Zukunft dienen könnte.
Auch die interreligiöse Partnerschaft zwischen Christen und Muslimen für das Gemeinwohl wurde ausführlich beleuchtet.
Am zweiten Tag standen Berichte einzelner Ländervertreter im Fokus. Wie stellt sich die Situation der Christen im Libanon, in Syrien, im Irak, in Palästina und schließlich in Jordanien dar. Besonders eindrücklich war ein Bericht des katholischen Bischofs Hanna Jallouf aus Aleppo, Syrien. Er schilderte seinen Gefängnisaufenthalt nach einer Festnahme durch die islamistische Nusra in der Assad-Zeit. Aber auch das Aufeinandertreffen mit dem aktuellen syrischen Präsidenten Ahmed al-Scharaa am Beginn der Entmachtung Assads 2024, der ihm zusicherte, dass die Christen unter dem Schutz der neuen politischen Kräfte stehen würden. Nach seiner Ernennung zum Bischof lud ihn der Imam der islamischen Gemeinde von Aleppo ein, in der Moschee dieses Ereignis gemeinsam zu feiern. Er forderte auf, die Situation in Syrien mit der nötigen Geduld zu begleiten. Veränderungen bräuchten Zeit.
Das Fazit der Konferenz aus Sicht der DJG:
- Die Situation der Christen ist trotz des abnehmenden Anteils an der Bevölkerung aufgrund genereller Emigrationsbewegungen (eher aus wirtschaftlichen Gründen als aus religiösen) eine besondere vor allem in Jordanien.
- Eine Ursache dafür ist, dass die Anwesenheit von Christen dort ja seit 2000 Jahren durchgängig besteht und daher die Beziehungen auch aus heutiger Sicht eine lange Tradition haben. Auch die klare Positionierung der haschemitischen Königsfamilie als Bewahrer dieser Beziehungen stärkt diese Position.
- Gleichwohl befinden sich Christen im Mittleren Osten in einer Diasporasituation. Diese unterscheidet sich wesentlich von der Situation der Christen in Deutschland. Obwohl sich ja auch dort eine Bewegung abzeichnet, die die Mitgliedschaft in den christlichen Kirchen immer weiter verringert.
Die Konferenz bestätigte viele Eindrücke, die christlich orientierte Menschen aus Deutschland im täglichen Leben zum Zusammenleben von Christen und Muslimen einerseits und der inhaltlichen Bedeutung christlichen Lebens in Jordanien andererseits gewinnen können.

1. Konferenztag

2. Konferenztag: Tisch der Referentinen und Refenten.
In der Mitte Veronika Ertl,
Regionale Leiterin Konrad-Adenauer-Stiftung Amman